Mit dem Zug vom Neuhauser Bahnhof Wiederndorf/Aich nach Klagenfurt zu zwei sehenswerten Ausstellungen: Am Tag zuvor fand im MMKK die Vernissage von Uwe Bressniks „Rillen.Raster.Rhythmen“ über die einstige Welt der Schallplatten statt, die nun interessante Einblicke bietet und vor kurzem wurde im Kärnten Museum die große Ingeborg Bachmann Sonderausstellung „In einer österreichischen Stadt“ eröffnet.
Neue Sicherheitsbänke am Neuen Platz
𝐔𝐰𝐞 𝐁𝐫𝐞𝐬𝐬𝐧𝐢𝐤. 𝐒𝐇𝐈𝐅𝐓𝐈𝐍𝐆 𝐋𝐈𝐍𝐄𝐒 𝙍𝙞𝙡𝙡𝙚𝙣. 𝙍𝙖𝙨𝙩𝙚𝙧. 𝙍𝙝𝙮𝙩𝙝𝙢𝙚𝙣 Die Kunst von Uwe Bressnik bewegt sich an den Schnittstellen, an denen vertraute Medien ihre klassischen Grenzen überschreiten. Seit Jahrzehnten formt der 1961 in Villach geborene und in Wien lebende Künstler ein transmediales OEuvre, das Malerei, Grafik, Bildobjekt, Skulptur und Installation verbindet. Seine Arbeiten speisen sich aus der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen kulturellen Welten wie der Musik, den Neuen Medien und dem Sport. Sie fordern herkömmliche Sehgewohnheiten heraus und laden ein, die Grammatik der Wahrnehmung neu zu lesen.
Ein zentrales Leitmotiv in Bressniks Schaffen ist die Transformation von Klang in sichtbare Form. Mit zahlreichen Werkgruppen rund um das Motiv der Schallplatte erweist er sich als „Plattenproduzent“ im übertragenen Sinn. Er befreit das klassische Medium von seiner rein akustischen Funktion und übersetzt es in eine freie, oft humorvolle Objektkunst. Die Scheiben, Kreise und Rillen werden zu autonomen Formen, die ihre Dimensionen verändern, sich biegen, stapeln, reihen und den Raum erobern. Es entsteht eine faszinierende Audiographie des Visuellen – Kunst, die das Auge hört. Parallel dazu untersucht Bressnik in seinen Netz- und Rasterarbeiten das Spannungsfeld zwischen analoger Tradition und digitaler Gegenwart und setzt sich mit der Veränderung der visuellen Wahrnehmung durch digitale Bilderfindungen auseinander. Durch das präzise Schichten alltäglicher Gaze-Gewebe erzeugt er Moiré-Effekte, die das Flimmern moderner Bildschirme haptisch simulieren. Er überführt die Errungenschaften der Op-Art und des Konstruktivismus in einen aktuellen Mediendiskurs. Diese Ausstellung in sieben Räumen bietet einen umfassenden Einblick in einen künstlerischen Kosmos, der von konzeptioneller Strenge ebenso getragen wird wie von spielerischer Freiheit und subtilem Witz. Bressnik zeigt, dass Kunst ein offenes, resonantes System ist, in dem es gilt, immer wieder die Spur zu wechseln!
Song for my daughter
Passionsfruchtfeld
edgar knoop. 2026 In drei Ausstellungsräumen zeigt das MMKK anlässlich einer Schenkung Werke von Edgar Knoop. Ergänzt wird die Schau durch Arbeiten des Künstlers aus der Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK.
Ingeborg Bachmann
In einer österreichischen Stadt | Special Guest: Anselm Kiefer
»für die größte unter den Dichterinnen … und ich führe Klage, dass es mir nie vergönnt war, sie persönlich kennenzulernen.« Aus: Brief Anselm Kiefers an Heinz Bachmann; mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
Die vom Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek konzipierte Sonderausstellung in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus München – im kärnten.museum Klagenfurt ergänzt und erweitert durch Exponate aus eigenen Beständen. Special Guest: Ein gesamter Ausstellungsraum bespielt mit einer Intervention des Malers und Bildhauers (und Bachmann-Bewunderers) Anselm Kiefer. Die Schau dokumentiert Ingeborg Bachmanns Auseinandersetzung mit Krieg, Krankheit, Beziehungs- und Geschlechterverhältnissen. Sie beleuchtet das leidenschaftliche Interesse der Autorin für Musik und Philosophie und führt an zentrale Orte ihrer Schreibbiografie. Anhand von Filmausschnitten, Fotografien und Tonaufnahmen wird außerdem jene melancholisch schillernde Aura nachvollziehbar, die Ingeborg Bachmann früh zu einer Ikone der Literatur nach 1945 werden ließ. Das Geheimnisvolle, das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit, von Diskretion und Indiskretion, spielt zugleich eine entscheidende Rolle im Werk der Dichterin.
Wanderausstellung über eine der einflussreichsten und faszinierendsten Persönlichkeiten der deutschsprachigen Literatur. Bisherige Stationen: Literaturhaus München, „Casa di Goethe“ (Rom) und Museum für Literatur am Oberrhein (Karlsruhe)
Anselm Kiefer (geb. 1945) | Undine geht, 2025 | Mischtechnik 280 x 380 cm |